Kunst für mich
- a.b.
- 10. Mai
- 2 Min. Lesezeit

Wie könnte ich denn jemals sagen, dass ich Kunst nicht mag?
Zugegeben, es gibt manche Texte, die finde ich unverständlich, schnöde, langweilig oder fad.
Manche Gemälde finde ich schlichtweg hässlich, ´tschuldigung Picasso, aber manchmal find ich es einfach schad, dass ich sie nicht verstehen oder mögen kann.
Vieles find ich auch schlichtweg grotesk. Aber egal, wie sehr ich ein einzelnes Werk verachten kann, so sehr verliebe ich mich in das nächste.
Ja, nicht nur das Werk an sich, die Idee dahinter, die Zeit benötigt, um es zu erstellen, allein die Epoche, die den Zeitgeist des Künstlers für mich buchstabiert.
Buchstäblich vergöttere ich die Buchstaben, die jedes Buch, jedes Gedicht und jede Rede füllen.
Sie füllen auch mein Herz, lassen mich neu denken und ganz neu erleben, was ich vorher nicht konnte.
Manchmal fühle ich mich wie ein Mitglied des Clubs der Toten Dichter.
Ich will brüllen!
Lauter und lauter, dass Kunst alles ist! Rettung, Untergang, Heilung, Tod, Liebe, Ehe, Scheidung, Du, Ich, Versöhnung, eine Waffe im Krieg und der Krieg selbst.
Wie Josef Beuys denkt, ist alles und jeder Kunst und Künstler und für mich ist Kunst alles.
Wie Faust will ich mit dem Teufel einen Pakt schließen. Meine Seele für die Kunst – dass jeder sie sehen, hören, fühlen kann.
Dass jeder Lyrik, Poesie und jeden Reim als den seinen sieht, liebt und lebt.
„Mephisto!“ Will ich schreien: Sorg dafür, dass alle Kunst erschaffen, nicht für mich. Der Kunst Willen. Lˋart pour lˋart.
Und im Augenblick, in dem ich durch die Straßen laufe und sehe, wie die Menschheit kollektiv Kunst schätzt, sage ich:
„Werd ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön! Dann magst du mich in Fesseln legen, dann will ich gern zugrunde gehn!“
So gern gehe ich dann zugrunde, verkaufe meine Seele, dass auch in der Hölle Werke geschaffen werden.
Dann gehe ich, umgeben von allem Schönen auf der Welt. Umgeben von Farben mit Bedeutung, von Musik in meinen Ohren – bildlich und wortwörtlich,
Von Kreativität, Kritik, Symbol, Metapher, Anapher und einfach allem.
Lˋart pour lˋart. Das ist dann lˋart pour moi. Dann würde mir mein Leben, egal wie kurz, gefallen.
Solange ich aber Mephistopheles nicht treffen sollte, behalt ich meine Seele und kreiere selbst.
Vielleicht ein Gedicht, wie dieses hier. Vielleicht noch ein Lied, ein Bild, ein Buch, ein Bilderbuch.
Und beim Vortragen, Schreiben und bereits beim Ausdenken merke ich:
Das ist Kunst – für, über, gegen Kunst,
für, mit, gegen mich,
und hoffentlich: für dich.
Emma Fersch, Q13



