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Musikalischer Sommer am OG


 

Es ist faszinierend zu erleben, welche Ausdrucksstärke und Selbstsicherheit in Menschen wachsen kann, die sich auf eine Bühne stellen und in erwartungsvolle Gesichter blicken.  Wenn die Zuhörer an solchen Abenden den geschaffenen Konzertsaal entlang der Balustrade bis hinauf ins zweite Stockwerk umstehen und von allen Seiten hinabblicken, gleicht die Aula des Ostendorfer-Gymnasiums einem Amphitheater. Diesem beeindruckenden Auditorium exponierten sich Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen in den letzten Zügen des Jahres.

 

Das Programm umspannte mehrere Jahrhunderte, chronologisch beginnend mit der Sonate „Battallia á 10“ von Heinrich Ignaz Franz Biber aus dem 17. Jahrhundert. Der Komponist bedient sich darin unkonventioneller Klopf- und Zupftechniken und lässt die Spielerinnen und Spieler der Camerata heftig auf dem Bühnenboden stampfen, um das Getöse einer Schlacht, Kanonenschüsse und wilde Fechtszenen zu imitieren. Ein eindrucksvolles Erlebnis für die Zuhörerschaft, gespickt mit blitzschnellen musikalischen Charakterwechseln.

 

Die Chöre der Knaben und Mädchen aus der Unterstufe präsentierten in freiem Vortrag Lieder in afrikanischer, englischer und deutscher Sprache. In beachtlichem Tempo und mit überwältigender Singfreude interpretierten die Mädchen mit „Verliebt in mich“ und „Tau mich auf“ zwei brandaktuelle Titel und füllten mühelos den großen Konzertraum. Der Chor der fünften Jahrgangsstufe, die bald ihr erstes Jahr an unserer Schule vollenden wird, bewies komödiantische und schauspielerische Stärke und erntete tosenden Applaus für einen gesungenen Impulsvortrag über die Tücken der Mücke. Der stark besetzte große Chor bewegte sich trittsicher durch die Fugenpassagen von „Let the Song begin“, interpretierte das bekannte Spiritual „Deep River“ in dunklem, erdigem Moll und stellte im Klassiker „Bohemian Rhapsody“, für den Komponist Freddy Mercury ein Stück Opernwelt in den Rock holte, Wendigkeit und stimmliche Größe unter Beweis.

 

Sämtlichen Ensembles gelang es, den ausgewählten Werken eine ganz eigene Klangsprache zu verleihen. Die Lebendigkeit der Musik erwächst schließlich auch aus dem steten Bemühen, Kompositionen niemals zu kopieren, sondern ihnen mit jeder Aufführung ein neues Gesicht zu schenken. In der Verschmelzung verschiedener Klangkörper liegt dabei ein besonderer Gewinn, etwa wenn Popchor und Camerata die seinerzeit richtungweisende Verbindung von Popgesang und klassischem Instrumentarium im Titel „Eleanor Rigby“ aus der Beatles-Ära auf der Bühne zelebrieren.

 

Nachdem das Konzert mit Streicherklängen eröffnet worden war und die zahlreichen Vokalensembles den imposanten Mittelblock gefüllt hatten, mündete der Abend in seinen Schlussakt. Dabei verwies die Rockband mit „Sultans auf Swing“ der Dire Straits bereits auf die folgende „Moonlight Serenade“ der Big Band, bevor sich die Streicher auf der gut besetzten Bühne dazu gesellten und das Publikum nach zwei farbigen, vielfältigen und ereignisreichen Stunden mit der großformatigen Schlussnummer „Haus am See“ (Peter Fox) nach Hause verabschiedeten.

 

Tim Förster


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